Billy Talent

Die Geschichte des Talents lässt sich bis in die High School-Tage der vier Mitglieder verfolgen. Damals noch in anderen Bands aktiv treffen sich die späteren Billy Talent bei einem Bandwettbewerb. Die Chemie zwischen ihnen stimmt so gut, dass sie noch am selben Abend beschließen, von nun an gemeinsam ihren Weg zu gehen. Alle steigen aus ihren eigentlichen Bands aus und versuchen, mit den neuen Gleichgesinnten eine Explosion im Rock zu suchen.
Unter dem Namen Pezz spielen Sänger Benjamin Kowalewicz, Gitarrist und Songwriter-Kopf Ian D'Sa, Basser Jon Gallant und Schlagzeuger Aaron Solowoniuk in ihrem Heimatort Streetsville, Ontario einige Gigs. Mit dem späteren überschnellen und energischen Sound von Billy Talent hat das damals aber relativ wenig zu tun. Im Proberaum entstehen in langwierigen Prozessen Prog-Rock-Songs von bis zu acht Minuten, der längste Song auf Billy Talents-Debüt wird ein paar Jahre später gerade mal 4:13 Minuten dauern. 1998 nehmen die vier Kanadier ein Album namens "Watoosh" auf. Obwohl die zweitausend Exemplare schnell ausverkauft sind, ist es inzwischen nicht gerade ein musikalischen Wunderwerk, an das sie gerne erinnert werden.

Irgendwann kommt dann aber der Knackpunkt, an dem die Band merken, dass sie sich auf einem Weg bewegen, den sie eigentlich gar nicht so recht einschlagen wollten. Nach einem Charakter des Films "Hardcore Logo" benennt man sich in Billy Talent um und versucht, die Ideen nicht mehr bis zu Perfektion auszureizen, sondern ihnen freien Lauf zu geben. "Wir haben jahrelang vergeblich versucht, unseren eigenen Sound zu finden. Es fügte sich erst alles zu einem Ganzen zusammen, als wir uns endlich einfach so akzeptiert haben, wie wir nun einmal sind. Wenn man seine Stimme findet, folgt alles andere ganz wie von selbst", resümiert Kowalewicz den Umschwung. Zehn Ideen in einem achtminütigen Song werden so zu schnellen energische Wutentladungen, die stark auf vorgedachten Ideen zwischen Refused und den Foo Fighters basieren.

"Als wir angefangen haben, ging es eher darum, auf unsre Einzigartigkeit zu setzen, als dass wir andere Bands nachahmten.", sagt Ian. Und genau das machen Billy Talent nach ihrem Wandel. Nichts Neues, aber das Alte doch so gut überarbeitet, dass man genug Interesse bei Torontos größter Radio-Rock-Show weckt. Deren Produzentin outet sich als großer Fan und verschafft den Jungs einen Deal, als sie zu Warner Records wechselt.

Im Jahr 2001 veröffentlichen Billy Talent ihre erste EP "Try Honesty" und touren ausgiebig durch Nordamerika, u.a. als Support für Sparta und Goldfinger. Im Frühjahr 2003 geht man mit Gavin Brown ins Studio, der ihrem selbstbetitelten Debüt einen dicken und glasklaren Sound verschafft. Dadurch bekommen die Songs noch ein Quäntchen mehr Power und mausern sich zu ausgefeilten und waschechten Hits für jede Alternative-Disco und für jede verschwitzte Bühne.

Mit ihren eingängigen Punkrock-Melodien räumen sie Preise gleich reihenweise ab und füllen Konzerthallen auf der ganzen Welt. Nach dem großen Erfolg des Debüts gehen sie die Sache etwas ruhiger an: "Wir haben erst mal eine Auszeit genommen, und sind bei unseren Freunden, Familien und vielen Leuten geblieben, die man so um sich braucht," sagt Sänger Ben. So erscheint der Nachfolger "II" erst im Sommer 2006.

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